Vergiftungen

 

Ein Anruf kann Leben retten

 

Häufige Substanzen:

Vergiftungen bei Hunden sind leider keine Seltenheit und erfordern eine differenzierte Vorgehensweise. Dies insbesondere unter dem Aspekt, dass die Vergiftungserscheinungen und die Giftigkeit einzelner Substanzen von Tierart zu Tierart sehr unterschiedlich sein können. (zum Beispiel bei Hund und Katze), wie auch aufgrund der Tatsache, dass nicht alle Daten aus der Humanmedizin übertragbar sind.

Eine klare Häufigkeit bei den Substanzen , die bei Hunden verantwortlich sind z.B.:

 

Pestizide, (Schädlingsbekämpfungsmittel der verschiedensten Art) 

Pflanzenvergiftungen (inkl. Zigarettentabak) 

Medikamente 

Lebensmittel 

Einige dieser Stoffe können ohne Früherkennung und entsprechende Behandlung bei größeren Mengen und besonders bei jungen Tieren zu schwerer Symptomatik und sogar zum Tod führen.

 

Pestizide

Bei Schädlingsbekämpfungsmittel traten Vergiftungen durch folgende Stoffgruppen auf: 

Organophospathe, Chlorierte Cyclische Kohlenwasserstoffe (z.B. DDT)  in unterschiedlichen Lösungsmitteln, Metaldehyd (Schneckenkorn), Zink/Aluminium-Phosphate (Giftweizen und Rauchpateonen gegen Nager) Dipytidinium-Verbindungen (Z.B. Paraguat), Cumarinderivate, Pyretriode (Chrisanthemen-Extrakt).

 

Pflanzenvergiftungen 

Pflanzen, die Atropin bzw. Hyoscyamine enthalten (z. B. Tollkirsche oder Engelstrompete) sind gefährlich. Sie bewirken schnellen Puls, trockene Haut und Schleimhaut, Durst, Pupillenerweiterung, Atembeschwerden und den Tod durch Atemlähmung. 

Eiben, speziell die Nadeln, können sehr gefährlich werden. Hier werden die Mengen von 30 g für einen Hund als tödlich angegeben. Bei akuten Fall kommt es sehr schnell zu Symptomen: Erbrechen, Unruhe, erst Pulsbeschleunigen, später Pulsverlangsamung, Atemnot bis zur Atemlähmung. 

Amarylis: Erbrechen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, allergische Reaktionen. 

Oleander: Erbrechen blutig, Freßstörung, Bewegungsablauf gestört (ataktisch) Herzrhythmusstörung, Schock.

Goldregen:  Erbrechen (stark), vermehrter Speichelfluss, Zittern, Kreislaufbeschwerden, Krampfanfall. 

Stechpalme: Erbrechen, Durchfall, Zittern, Apathie, Leber- und Nierenwerterhöhung. 

Dieffenbachia, Philodendron: Schleimhautreizungen, (Schwellung, Blasen), Erbrechen, Durchfall (blutig), Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Nierenschädigung. 

Roßkastanie: Schleimhautreizung, Erbrechen, Kolik, Durchfall, Durst, Apathie, Bewusstseinsstörungen, Koma. 

Lebensbaum: (Thuja) Schleimhaut- + Hautreizung (Blasenbildung), Müdigkeit, Magen-Darmbeschwerden, Leber- u. Nierenreizung, Pupillenerweiterung. 

Efeu: Erbrechen, Aphatie, Krämpfe, Bewegungsablauf gestört (ataktisch) Herzrhythmus- und Atemstörungen. 

Weihnachtsstern: Schleimhaut-+ Hautreizung, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Augenreizungen, häufiges Wasserlassen, selten Nierenversagen, Lungenödem. 

Rizinus, spezielldie Samen schon wenige davon können tödlich sein (bereits 1-2 g Samen pro Körpergewicht). Sie bewirken starke Magen-Darm-Entzündungen mit blutigem Durchfall, Schwäche, Apathie, Koma,  Multiorganversagen, Kreislaufkollaps. 

Eine ganze Pflanzengruppe kann ebenfalls sehr gefährlich werden:

Die Calziumoxalatnadelhaltige Pflanzen, z.B. Dieffenbachia oder Philodendrom.

Diese Nadeln und Blätter bewirken starke Schleimhautreizungen, Schwellungen mit Schluckbeschwerden, Atemnot,häufiges Erbrechen und blutigen Durchfall. In Verlauf zusätzliche Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, schwere Nierenschäden.

 

Zigaretten (Tabak): schon zwei Zigaretten können je nach Größe des Hundes und Nikotingehalt der Zigarettensorte lebensbedrohlich sein. Höhere Mengen an Nikotin enthalten die Rauchentwöhnungspflaster, geringere Mengen dagegen Nikotinkaugummis. Die Tiere erbrechen häufig schnell und spontan, in Verlauf kann es zu Erregung, Zittern, Krämpfen, Kreislauf- und Atembeschwerden mit Todesfolge kommen.

 

Medikamente

 

Ibuprofen: Erbrechen, vermehrter Harnabgang und Durst, Bewußtseinseintrübung. 

Diclofenac: Erbrechen, Blutungen und zusätzlich Nierenwertveränderungen. 

Paracetamol: 1500mg führen bei einem Dobermann zu Magenblutung und Schlappheit.

Bei einem 19 Monate alten Hund, der Paracetamol Zäpfchen (500 mg) gefressen hat, kam es zu Durchfall und Fressstörung, als Tabletten beim ausgewachsen Hund zu keinerlei Symptomatik.

Acetylsäure (Aspirin): 1000 mg-Tabletten führten nach Behandlung mit Kohle zu keinerlei Symptome. Sondern wurden nur geringere Mengen gefressen, die keine Symptome bewirkten. 

Levothroxin (Schilddrüsenpräperat): führen zu Erbrechen, aber sonst zu keinen ernsteren Beschwerden. 

Beruhigungsmittel: wie z.B. Oxazepam, Zolpidem, Diazepan, Phenobarbital bewirken nach oraler Aufnahme bei Hunden schlimmstenfalls Schläfrigkeit und Bewegungsstörungen (ataktisch).

 

 

Lebensmittel 

Nicht nur verdorbene und überlagerte Lebensmittel, sondern auch solche, die dem Menschen gut bekommen, können beim Hund heftige Vergiftungserscheinungen hervorrufen. 

Schokolade kann z.B. sehr gefährlich werden. Eine vier Monate alte Hündin (13 kg) wurde nach dem Genuss von 125 g Schokolade sehr unruhig und bekam Herzrhythmusstörung mit Pulsbeschleunigung.

Ein sieben Monate alter Hund (25 kg) wurde nach 500 g Schokolade ebenfalls  sehr unruhig und hatte hohes Fieber.

Ein sechs Jahre alter Hund (30 kg) fraß 300 g Schokoladenpulver. Da nach 30 Minuten das Tier zum Erbrechen gebracht wurde, kam es zu keinerlei Beschwerden.

Schokolade kann also auch in geringen Mengen schon Symptome hervorrufen. Das liegt am Theobromingehalt: In weißer Schokolade sind nur geringe Mengen enthalten, in Milchschokolade bis zu 12 mg/g, in dunkler Schokolade sind es schon 5 mg/g Theobromin, in Kochschokolade dann 15 mg/g und in Kakaopulver bis zu 20 mg/g.

Die akut lebensgefährliche Dosis liegt für Hunde bei 250 bis 500 mg/kg Körpergewicht.

Die ersten Beschwerden treten meist nach einer bis mehreren Stunden auf: starke Unruhe, Fieber, Pulsbeschleunigung, Zittern, häufiges Harn lassen, Atembeschwerden, Krämpfe, schwere Herzrhythmusstörungen. Da beim Hund die Ausscheidung des Theobromins relativ langsam geschieht, ist auch mit spät auftretenden Symptomen zu rechnen.

 

Schweinefleisch bei roh Fütterung kann zum Tode führen. Das Fleisch kann Bakterien enthalten, gegen die es leider keine Medikamente gibt. Mehr dazu findet ihr

 

Küchenzwiebel (Allium cepa) 

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass bei Haustieren nach Aufnahme von Küchenzwiebeln eine Hämolyse auftreten kann Das heißt, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) lösen sich auf.

Für die Hämolyse verantwortlich sind einige Schwefelverbindungen (z.B. Allylpropyldisulfid, N-Propylsulfid). Das Menschen unbeschadet Zwiebeln essen können, liegt an der andersartigen Erythrozyten.

Toxisch wirken sich beim Hund schon 5 bis 10 g/kg KM an rohen Zwiebeln können die Erkrankung hervorrufen. 

Bei Hund und Katz beginnt die Vergiftung meist mit Erbrechen und Durchfall. Nach ein bis  drei Tagen folgen die Symptome der hämolytischen Anämie mit Appetitlosigkeit, Schwäche, blassen Schleimhaut, Ausscheidungen von blutigem Urin, Beschleunigung von Herz- und Atemfrequenz.

Wird die Zwiebelfütterung eingestellt, so tritt die Erholung in der Regel innerhalb einer Woche ein.

 

Avocado (Persea americana) 

Aber nicht nur die Küchenzwiebel, sondern auch die für den Menschen so harmlose Avocado kann für Hunde gefährlich werden.

Einige Avocado -Arten enthalten u. a. das Toxin Persin, welches jedoch nur für die Tiere giftig ist. Vergiftungsfälle sind z Zt. bei Hund, Rind, Pferd, Ziege, Schaf, Kaninchen, Ratte, Hühnern, Vogelstrauß, verschiedene Stubenvögel und Fische beschrieben worden. Die ganze Pflanze ist für alle Tiere toxisch.

Das Toxin bewirkt eine schwere Herzmuskelschädigung und bei säugenden Tieren eine Mastitis ( Entzündung des Gesäuges).

Kennzeichnend für die Vergiftung sind Husten, Atemnot, erhöhte Herzfrequenz, Wassereinlagerungen in der Unterhaut (besonders an Hals und Unterbauch), Bauchwassersucht und Zeichen der Herzvergrößerung bei EKG und Röntgenuntersuchung.

Die Erkrankung endet überwiegend tödlich, da eine spezifische Therapie nicht möglich ist.

  

Haschisch 

Kurze Zeit nach der Toxinaufnahme beginnt die Vergiftung mit verschiedenen neurologischen Symptomen, wie z.B. Schreckhaftigkeit, Erhöhung der Sensibilität, unsicheren Bewegungen, Hyperaktivität oder Depression, gesteigerte Aggressivität, Muskelschwäche, Anlehnen des Kopfes, zwanghaftes Beobachten von imaginären Gegenständen, Desorientiertheit, Pupillenverengung, Nickhautvorfall, Schreien, Zittern und Krämpfen. An körperlichen Symptomen können noch Speicheln, Erbrechen, Beschleunigung von Herz und Atemfrequenz, Fieber oder Hypothermie hinzutreten. Charakteristisch ist hierbei einschneller Wechsel der Symptomatik. An die Vergiftung schließt sich häufig eine lange, tiefe Schlafphase an. Bei Katzen ist bekannt, dass sie auch u. a. mit Zerstörungswut reagieren können. Todesfälle sind bei Hunden nach mehrmaligen Haschischvergiftungen beschrieben worden.

Je nach Schwere der Vergiftung kann es Wochen dauern, bis das Tier vollständig wiederhergestellt ist.

  

Bohnen (Phasin) 

Nicht nur Hunde sondern auch Menschen können sich durch den Genuss nicht fachgerecht zubereiteter Gartenbohnen vergiften. Gartenbohnen sind grundsätzlich nur gekocht genießbar. Sie enthalten roh das Toxin Phasin, welches erst durch den Kochprozess zerstört wird. Phasin wirkt auf den Körper, in dem es die Protein-Borsynthese, v.a. im Dünndarm, hemmt.

Menschen und Tiere reagieren auf Genuss roher Bohnen mit Erbrechen, z. T. blutigem Durchfall, Bauchkrämpfe und Kollaps. Sogar Todesfälle sind nach Aufnahme großer Mengen roher Bohnen möglich. 

  

Kartoffeln (Solanin)  

Für Verdauungsbeschwerden bei Mensch und Tier verantwortlich sein kann auch der Genuss von Kartoffeln, welche unter bestimmten Bedingungen Toxine enthalten können. Gemeint sind hier grüne oder gekeimte Kartoffeln. Da der Solaningehalt in der Schale am höchsten ist, besteht besonders bei der Verfütterung solcher Kartoffeln, die als Pell- oder Grillkartoffeln zubereitet wurden, eine Vergiftungsgefahr. Symptome äußern sich in der Regel mit Erbrechen und Durchfall. 

 

Kernobst (Amygdalin,Prunasin) 

Immer wieder wird in der Veterinärmedizin über Hunde berichtet, welche sich mit den Kernen von Früchten vergiftet haben, die blausäureabspaltende Toxine beinhalten. Es handelt sich hier um die Kerne von Kieschen, Pflaumen, Aprikosen und Pfirsichen. Zu Vergiftungen kommt es, wenn Hunde unbegrenzten Zugang zu diesen Früchten (z.B. Obstwiesen) und beim Fressen die Kerne zerknacken. Die Toxine Amygdalin und Prunasin spalten im Organismus Blausäure ab, welches zu einer  Blockierung der Zellatmung führt. Typische Symptome sind hier kratzen im Hals, Speicheln, Übelkeit, Erbrechen und rosige Schleimhautfarbe. In ernsten Fällen treten Herzklopfen, Herzschmerzen, Atembeschwerden und eine erhöhte Körpertemperatur hinzu.

Die Atemluft bzw. das Erbrochene der erkrankten Tiere kann einen starken Bittermandelgeruch aufweisen. Eine sofortige Vorstellung beim Tierarzt ist dringend anzuraten.

 

 

Wientrauben und Rosinen 

In Amerika ist es im Gegensatz zu Deutschland schon länger bekannt, dass der Genuss von Weintrauben und Rosinen zu gravierenden gesundheitlichen Problemen bei Hunden führen kann.

Die verantwortlichen Inhaltesstoffe dieser Früchte und ihre Wirkungsweise sind noch unbekannt. Pestizide, Schwermetalle oder Mykotoxine kamen als mögliche Ursache in Frage. Chemische Analyse diesbezüglich verliefen negativ. Intoxikationen aus Privatanbau legen den Verdacht nahe, dass es die Inhaltsstoffe der Pflanze selber sind, die die Symptome verursachen.

 

Einige Stunden nach der Fruchtaufnahme erbrechen die Hunde. Danach entwickelt sich Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Apathie. Diese Symptome können mehrere Tage andauern. Schließlich verringert sich die abgesetzte Urinmenge und die Symptome einer Nierenschädigung werden deutlich. Zu diesem Zeitpunkt stellt der Tierarzt eine Erhöhung der „Nierenwerte“ im Blut fest. Ist es zu einem massiven Nierenschaden gekommen, ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich.

Hat Ihr Hund eine große Menge Weintrauben oder Rosinen gefressen, soll er unverzüglich dem Tierarzt vorgestellt werden, um weiteren Schaden abzuwenden. Da es bis jetzt bezüglich der Dosis recht unterschiedliche Aussagen gibt, sollte man auch von der Verfütterung kleineren Mengen absehen.

  

Holunder-Beeren 

Eine weitere Frucht, die gesundheitliche Probleme bei Hunden verursachen kann, ist eine Holunder-Beere. Wird eine größere Menge von rohen Früchten ( reif oder unreif) gefressen, ist mit Magen-Darmbeschwerden zu rechnen. Unter den gleichen Symptome leiden auch Menschen nach dem Genuss von rohen Früchten. Werden gekochte Früchte konsumiert, gibt es keine Probleme.

Züruck zur Übersicht