Parvovirose

Parvoviren zählen zu den kleinsten Viren, mit der Größe von etwa 18 bis 26 Nanometern Durchmesser und kommen bei Menschen und Tier vor. Das humanpathogene Virus ist das Parvovirus B19, welches 1975 entdeckt wurde. Übertragen werden Parvoviren im allgemeinen durch die Tröpfcheninfektion. Unsere Hund können sich durch lecken an Kot oder Urin sowie gegenseitige ablecken anstecken.

Beim Hund sind drei Parvoviren bekannt. Erstmals beschrieben wurde der Erreger 1968 als Minute Virus of Canines (CPV-1), welches lediglich klinisch inapparente Infektionen verursacht. Der Erreger caninen Parvovirose (CPV-1) wurde erstmals 1979 isoliert und ist heute der wichtigste Krankheitserreger der Hundes. Er wurde in einer verheerenden Mortalität gekennzeichneten Panendenmie innerhalb weniger Monate weltweit verbreitet und wirkt sich hochgradig pathogen aus. Es wird vermutet das dieser Virustyp die Artenbarriere übersprang  und wurde durch Mutation der Auslöser der Katzenseuche sowie der infektiösen felinen Parvovirus (Panleukopenie) der Marderartigen, da hier die im Virus verschlüsselten Erbinformationen zu 99% mit denen des caninen Parvovirus identisch sind. Jüngere Untersuchungen deuten zudem auf eine Rolle von Wildtieren (Rotfuchs) bei der Entstehung des CPV hin. 

Das canine Parvovirus ist für Katzen ebenfalls infektiös, wenn gleich die Krankheit hier meist unauffällig oder mit nur sehr geringen Symptomen verläuft. Die Vermehrung des Virus findet im Zellkern der betroffenen Zelle statt und benötigt hierbei Funktionen, die nur während der Zellteilung vorliegen. Der Erreger ist gegenüber Umwelteinflüssen sehr unempfindlich. Bei Raumtemperatur bleibt er über 1 Jahr infektiös, mit den meisten handelsüblichen Desinfektionsmittel lässte er sich nicht bekämpfen. Zu den wirksamen Substanzen gegen das Virus zählen: Natriumhypochlorid, Formaldehyd und Glutaraldehyd.

Nach dem Ersten Auftreten von CPV 1978 adaptierte das Virus an den neuen Wirt Hund und es traten neue Vierentypen auf, die das  ursprüngliche Virus  aus den Populationen verdrängten.  Diese als neue "antigenen  Typen"  CPV-2a und CPV-2b bezeichneten Mutationen unterscheiden sich von dem ursprünglichen Virus ebenfalls nur durch kleine Änderungen .

CPV-2a trat 1979  erstmals auf und verdrängte den ursprünglichen Typ vollständig. Er entstand genauso wie der Typ 1 nur einmal und wurde weltweit verbreitet. 1984 trat dann zum erstenmals der Typ CPV-2b auf, der gegenüber dem 2a Virus nur eine Aminosäure Änderung aufweist. Diese Mutation ist parallen und unabhängig voneinander aufgetreten. CPV-2a und CPV-2b Viren kommen in einem unterschiedlichen zahlenmäßigen Verhältnis nebeneinander in der Hundepopulation vor. Eine weitere Mutation die sich in der Population ebenfalls schnell durchsetzte trat Ende der 1980er Jahre auf.  Die Viren weißen eine Änderung der Aminosäure 297 auf, die sowohl bei CPV-2s und CPV-2b gefunden wird.  Die zeigt, dass auch diese Mutation parallel in verschiedenen Viruspopulationen entstanden sein muss.

Gemäß den Angaben lokaler (andalusischer) Veterinäre funktionieren Impfstoffe verschiedener Hersteller gegen CPV-2 nur noch unzureichend. Ähnliche Beobachtungen wurden auch in Deutschland gemacht. In der Schweiz, Österreich und Deutschland wurden kürzlich zwei neue CPV-Antigen Typen (CPV-2a und CPV-2b) isoliert.

Derzeit ist es notwendig zu klären, ob die hohe Welpensterblichkeit in Südspanien tatsächlich ‘nur‘ auf eine CPV-2 Infektion zurückzuführen ist, ob andere CPV-Typen vorhanden sind, oder ob es sich um Coinfektionen (z.B. Staupe) handelt, denn die Impfstoffe namenhafter Hersteller fallen zunehmend aus.
 

ANstecken können sich unsere Hunde wie schön erwähnt über die Tröpfcheninfektion, durch lecken an Kot oder urin, oder gegeseitiges Lefzen lecken. Der Erreger dringt über die Nasen- und Maulschleimhaut in den Körper ein. Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 10 Tage. Da das Virus zur Vermehrung Zellen mit hoher Teilungsrate benötigt, befällt es besonders die sich fortwährend stark regenerierenden Zellen des Darmepithels, des Knochenmarks und des Lymphsystems. Ferner kann der Herzmuskel (Myokard) befallen sein, auch Embryoschädigungen sind beschrieben. Von der Krankheit werden vor allem noch nicht immunkompetente Jungtiere betroffen. Die Ausscheidung erfolgt über hauptsächlich über den Kot, möglicherweise auch mittels Speichel und Erbrochenem. Infolge seiner hohen Widerstandsfähigkeit bleibt der Erreger lange infektiös und wird mittels Beschnuppern oder Belecken kontaminierter Oberflächen von einem neuen Wirt aufgenommen. Als Überträger kommen gleichfalls mit dem erkrankten Tier in Berührung gekommene Menschen in Frage (Hundebesitzer, Händler, Tierärzte, über Schuhwerk verschlepptes Virusmaterial). Obgleich für die Erkrankung Hunde aller Altersgruppen empfänglich sind, werden die schwersten Krankheitsverläufe bei Welpen beobachtet.

zu den Symptome

Die Erkrankung kündigt sich mit dem Auftreten von Fieber (39,5°C - 41,5°C), verminderter Futteraufnahme und Teilnahmslosigkeit an. Entsprechend den befallenen Organsystemen dominieren etwa 6-12 Stunden nach den ersten Anzeichen vor allem Symptome des Magen-Darm-Traktes und des Abwehrsystems. Neben dem Auftreten starker, oftmals blutiger Durchfälle kommt es zu einer starken Abnahme weißer Blutkörperchen (Leukopenie) und damit einer Verminderung der Abwehrfähigkeit des erkrankten Organismus, der daher für bakterielle Sekundärinfektionen besonders empfänglich ist.

Neben diesen Symptomen zeigen die betroffenen Tiere während des gesamten Krankheitsverlaufes die bereits eingangs aufgetretenen Symptome Mattigkeit, Freßunlust, Dehydratation(Enzug von Wasser, Austrocknungsgefahr)  und Fieber. Mit dem Kot werden große Mengen hochinfektiösen Erregermaterials ausgeschieden. Bei schweren Verlaufsformen tritt innerhalb von 24 bis 48 Stunden der Tod ein. Drei - bis zwölf Wochen alte Hunde sterben häufig an der Infektion, ohne dass es vorher zur Ausprägung klinischer Symptome gekommen ist. Hier kommt es infolge des Befalls des Herzmuskels zum akuten Versagen der Herz-Kreislauf-Funktion.

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Ein wesentliches diagnostisches und prognostisches Kriterium ist die Anzahl der Leukozyten, die bei typischen Verläufen auf Werte um 500 bis 3000 pro Mikroliter absinken. Je niedriger dieser Wert ist, umso schlechter ist die Prognose. Die Viren lassen sich mittels eines Schnelltests aus dem Kot sicher nachweisen. Außerdem können bei nicht geimpften Hunden nach einer gewissen Zeit Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Weiterhin ist ein Erregernachweis über Zellkulturen möglich.

Differentialdiagnostisch kommen vor allem Infektionen mit dem Staupe-Virus, Rotaviren (oft Ursache schwerer Durchfallerkrankungen)  und Coronaviren und E.coli-Infektionen in Betracht. Bei akuten Todesfällen von Welpen ist daneben die Hepatitis contagiosa canis eine mögliche Differentialdiagnose.

Die wirksamste Maßnahme gegen die Erkrankung besteht in einer prophylaktischen Impfung, welche erstmals im Alter von 6 Wochen durchgeführt werden kann (Puppy-Impfung). Im Alter von 8 Wochen ist eine Wiederholungsimpfung ratsam, welche im Alter von 3 Monaten nochmals wiederholt werden sollte. In der Folge sind Impfintervalle von 1 bis 3 Jahren empfohlen. Nur mittels einer Impfung lässt sich die Infektion eines Hundes sicher vermeiden. Die Behandlung erkrankter Tiere zielt zunächst auf eine Stabilisierung des Patienten hin. Hierzu sind Infusionen nötig. Um bakterielle Infektionen zu vermeiden, bedarf es der Verabreichung von Antibiotika. Das Virus selbst wird durch die Applikation von Interferonen und Serum-Antikörpern bekämpft. Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Krankheit ist die Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen, um die Weiterverbreitung des Erregers zu verhindern.

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